Blut

Die Qualität von Laboruntersuchungen wird stark von Einflussgrössen und Störfaktoren beeinflusst, welche durch korrektes Vorgehen bei der Vorbereitung des Patienten, der Blutentnahme, bei Probenlagerung und -transport  kontrolliert oder ausgeschlossen werden können.

USZ-interne Anwender beachten bitte auch das Blutentnahme PFL (USZ Intranet)

Auf die wichtigsten Punkte wird im Folgenden eingegangen:

Häufige Einflussfaktoren

Starke körperliche Belastung und einige therapeutische und diagnostische Massnahmen, wie intramuskuläre Injektionen und Prostatapalpation führen zum Anstieg von diversen Enzymen und Substraten.
Die Angabe des Entnahmezeitpunktes ist besonders wichtig bei Parametern, die circadianen Rhythmen unterliegen (zum Beispiel Eisen und Cortisol).

Sehr viele Parameter werden durch Nahrungsaufnahme verändert. Die Referenzbereiche beziehen sich auf Blutproben, die im Nüchternzustand (mindestens 8 Stunden postprandial) gewonnen wurden. Deshalb erfolgt die Probengewinnung idealerweise beim nüchternen Patienten. Ist dies nicht möglich, müssen die Laborergebnisse mit entsprechendem Vorbehalt interpretiert werden. Für einige Parameter existieren zudem spezielle Diätvorschriften.

Arzneimittel
(einschliesslich Plasmaexpander) und ihre Metabolite zeigen Interferenzen durch Eigenfarbe (Rifampicin, Anthrachinone), durch Fluoreszenz (Tetrazykline), durch reduzierende Eigenschaften (Ascorbinsäure, Dopa), durch Chelatbildung (Phenothiazine) oder durch den Einfluss auf die Plasmaeiweissbindung (hormonelle Kontrazeptiva). Generell ist zu beachten, dass Arzneimittel die Resultate von Laboranalysen nicht nur durch methodische Interferenzen beeinflussen können, sondern dass häufiger unbekannte resp. unerwartete pharmakologische Effekte in-vivo zu Veränderungen führen.

Die venöse Stauung darf nur kurzfristig angelegt werden. Eine Minute sollte nicht überschritten werden, da es sonst zu einer Konzentrierung von Zellen und makromolekularen Substanzen wie Proteinen (z.B. Enzyme) und der daran gebundene Moleküle (z.B. Lipide, Bilirubin, Hormone, Medikamente, Eisen, Calcium, Magnesium) kommt. Eine aufrechte Körperhaltung hat denselben Effekt, weshalb die Blutentnahme im Sitzen oder Liegen empfohlen wird.

Repetierter Faustschluss («Pumpen») während der Blutentnahme führt zu einem Anstieg von Kalium und Magnesium.

Häufige Störfaktoren

Eine unzureichende Füllung des Röhrchens kann zu fehlerhaften Ergebnissen führen. Die Röhrchen müssen bis zur angegebenen Markierung gefüllt sein (kleines Dreieck oberhalb des farbigen Balkens) oder bis oberhalb des Balkens. Der Grund hierfür liegt im vorgeschriebenen Mischungsverhältnis Vollblut und Zusatz. Vor allem wichtig ist dies bei den Gerinnungsröhrchen, wo kleine Abweichungen bereits zu massiven analytischen Fehlern führen.
Vacutainer mit Zusätzen nach der Blutentnahme 5 mal sorgfältig kippen, damit die Zusätze mit dem Blut vermischt werden.

Gerinnungshemmende Zusätze in den Entnahmeröhrchen können manche Tests stören. Die Farbkodierung auf unseren Auftragsformularen ist deshalb strikt zu beachten und bei der Blutentnahme sollten die Materialien in der richtigen Reihenfolge gewonnen werden (siehe unter Probengefässe). Niemals Blut von einem Röhrchentyp in ein anderes schütten!

Hämolyse (durch fehlerhafte Entnahme, durch ungenügendes Mischen, durch falsche Lagerung u.v.a.) im Plasma/Serum führt zu Anstieg von Kalium und einer Reihe von Enzymen, z.B. LDH, CK, AST. Ausserdem stört die durch Häm bedingte Eigenfärbung bei einer Reihe von Farbreaktionen (z.B. P-Amylase) sowie bei Einzelfaktorbestimmung (Gerinnung).
Häufigste Ursachen der Hämolyse sind:

  • Blutgewinnung aus Kathetern und zu klein- oder zu grosslumigen Kanülen
  • Zu lange Stauung (max 1 Minute: nach Punktion für die Aspiration Stauung öffnen)
  • Aspiration von Desinfektionsmittelresten in die Probe: Das Desinfektionsmittel muss vor der Punktion getrocknet sein.

Ikterie kann bei Absorptionsmessungen im Bereich zwischen 400-500 nm und bei einigen immunologischen Methoden (FPIA) interferieren.
Lipämie des Plasma/Serum führt durch Verdrängungseffekte zu einer scheinbaren Erniedrigung der Elektrolyte (Natrium, Kalium, Calcium). Die Trübung kann bei Turbidimetrie- und Absorptions-messungen stören. Stark lipämische Proben werden im Labor ultrazentrifugiert (ausser zur Bestimmung von Cholesterin, Triglyceride, Ammoniak und Alkohol).

Lagerung und Transport: Grundsätzlich soll eine Probe nicht gelagert werden, sondern unmittelbar nach der Abnahme dem Transportdienst übergeben werden. Ein zu langes Intervall (>1h) zwischen Blutentnahme und Abtrennen der zellulären Bestand-teile führt unter anderem zu einem Anstieg von Kalium und Verlust von Glukose im Heparinplasma oder Serum. Ist eine Lagerung unvermeidlich, so empfehlen wir Raumtemperatur und Dunkelheit. Die Probe ist verschlossen aufzubewahren, da es sonst durch Verdunstung (auch im Kühlschrank!) zu einer Konzentrierung beinahe aller Parameter kommt!

Spurenelement-Röhrchen nach der Blutentnahme keinesfalls öffnen (Kontaminationsgefahr).
Für Blutentnahmen zur Spiegelbestimmungen von Medikamenten sollte nicht dieselbe Leitung wie für die Infusion desselben Medikamentes benutzt werden.

Transfusionsmedizin

Abnahme von Testblut: Die Ausgabe von Blutkonserven erfolgt nur nach 2 unabhängigen Blutgruppenbestimmungen. Ausnahme: akuter Notfall mit sofortigem Transfusionsbedarf.
Auswärtige Blutgruppenbestimmungen werden akzeptiert.

  • Unabhängig bedeutet: Es braucht 2 separate Blutentnahmen. Auftragskleber müssen von der Blut abnehmenden Person selber gerichtet werden, Patient wird erneut nach Name, Vorname und Geburtsdatum befragt.
  • Mit ihrem Kürzel sowohl auf dem Blutröhrchen als auch auf dem Auftragsformular übernimmt die Pflegende die Verantwortung für die korrekte Identifikation des Patienten und ist daher rechtlich haftbar.
  • Wenn die Blutgruppe bereits bekannt ist, muss nur eine Blutentnahme (Testblut) durchgeführt werden, um den Antikörpersuchtest durchzuführen.

USZ-Intern: siehe auch Intranet „Weisung für die Bestellung und Anwendung von Blutprodukten“ (Pflegerichtlinien USZ)

Gerinnungsanalysen

Citrat-Röhrchen (hellblau) für Gerinnungsanalysen (z.B. Quick) müssen unbedingt bis zur Markierung gefüllt werden, um korrekte Resultate zu ermöglichen. Schaumbildung bei der Entnahme ist zu vermeiden. Auf keinen Fall darf der Inhalt mit einem anderen Röhrchen komplettiert werden. Bei unvollständiger Füllung muss der Vacutainer weggezogen, das Röhrchen 5x sorgfältig gekippt werden und wieder aufgesetzt und das fehlende Restvolumen aufgefüllt werden. Allenfalls muss auch erneut eine Probe entnommen werden.

Bei einem Hämatokrit > 0,6 l/l müssen speziell adaptierte und übers Gerinnungslabor zu beziehende Blutentnahmeröhrchen (Citrat) eingesetzt werden.

Proben müssen unter geeigneten Bedingungen transportiert und gelagert werden (z. B. keine Lagerung im Kühlschrank).

Proben für PFA-Verschlusszeit und Thrombozytenaggregation dürfen nicht mit der Rohrpost verschickt werden, sondern müssen umgehend per Transportdienst ans Labor weitergegeben werden.