Validation der Messergebnisse

Die angeforderten Untersuchungen werden im IKC, in der HAD und in der AKI rasch möglichst durchgeführt. Die Untersuchungsergebnisse werden erst nach eingehender Validierung freigegeben. Diese umfasst die technische und medizinische Validation sowie für einige Spezialparameter die Kommentierung.

Technische Validation

Die technische Validation erfolgt durch eine(n) diplomierte(n) biomedizinische(n) Analytiker(in), welche(r) in der Regel auch die Analytik durchgeführt hat. Die technische Freigabe setzt im Wesentlichen voraus, dass die korrekte Funktion der Geräte, die Stabilität der Reagenzien, die korrekte Kalibration verifiziert wurden und die interne Qualitätskontrolle erfolgreich verlief. Bei Problemen und Unstimmigkeiten müssen die zuständigen Leitenden Biomedizinischen Analytikerinnen und/oder der/die Abteilungsleiter(in) informiert werden.

Medizinische Validation

Bei der medizinischen Validation werden die einzelnen Messergebnisse bezüglich ihrer Plausibilität überprüft. Dabei gehen das Messergebnis selbst (Extremwertkontrolle), der Vergleich zu Vorwerten (Longitudinalbeurteilung), die Ergebnisse parallel gemessener anderer Parameter (Transversalbeurteilung), und sofern vorhanden klinische Informationen über den Patienten ein. Bei in grossen Zahlen gemessenen Parametern werden die zu evaluierenden Messergebnisse mit Hilfe der Labor-EDV vorgefiltert und nur Extremwerte und gegenüber Vorwerten stark veränderte Messergebnisse (delta-check) persönlich validiert. Bei Spezialparametern werden in der Regel alle Messergebnisse validiert. Grundsätzlich sind alle Laborleiter mit FAMH-Abschluss in Klinischer Chemie bzw. Hämatologie oder Immunologie, speziell eingewiesene FAMH-Kandidaten, die Leitenden Biomedizinischen Analytikerinnen sowie erfahrene Biomedizinische Analytikerinnen (HAD) zur medizinischen Validation berechtigt. Implausible Messergebnisse führen zu Wiederholungsmessungen und Rückfragen bei den zuständigen Klinikern.

Telefonische Resultatübermittlung

Messergebnisse, welche eine vitale Bedrohung darstellen, werden dem zuständigen Einsender umgehend telefonisch mitgeteilt.

Grenzwerte für vitale Bedrohung:

 
Untere Alarmgrenze
Obere Alarmgrenze
Einheit
Alkohol
-
75
mmol/l
Ammoniak
-
80
mmol/l
​Bicarbonat
15
-​
mmol/l​
Calcium
1.75
3.00
mmol/l
​Calcium ionisiert
0.8​
1.6​
mmol/l​
​Chlorid
75​
125​
mmol/l​
Östradiol
-
20 000
pmol/l
Ferritin
-
5000
ug/l
freies T4
-
45
pmol/l
Glukose
2.2
24.75
mmol/l
CO-Hb
-
0.25
 
Met-Hb
-
0.2
 
Hämoglobin*
60
-
g/l
Quick
10
-
%
Kalium
2.8
6.2
mmol/l
Laktat
-
4                                 
mmol/l
​Laktat, Liquor
-​
3.5​
mmol/l​
Magnesium
0.4
2                                 
mmol/l
Natrium
120
155
mmol/l
Neutrophile*
0.5
-
G/l
Osmolalität
240
330
mmol/kg
Phosphat
0.32
-
mmol/l
Thrombozyten*
20
-
G/l
* nur gemeldet wenn nicht vorbekannt

 

Ausserdem werden vom IKC Medikamentenspiegel im toxischen Bereich telefonisch mitgeteilt. Vom HAD werden zudem dringende Knochenmarkbefunde (z.B. akute Leukämie), der Nachweis von Fragmentozyten oder Malariaplasmodien und positive HIT-Ak-Resultate telefonisch übermittelt.

Bewertung und Kommentierung

Die meisten Laborergebnisse werden ohne individuelle Bewertung und Kommentierung mitgeteilt, da zumeist die hierfür notwendigen klinischen Informationen vom Auftraggeber nicht zur Verfügung gestellt werden. Ausserdem interferiert die ausführliche Bewertung und Kommentierung mit dem Ziel der schnellen Befundmitteilung an den Auftraggeber. Deshalb werden die meisten Befunde mit Referenzbereichen und ggf. Standardkommentaren mitgeteilt. Bei einigen nicht zeitkritischen Spezialparametern wird die standardmässige medizinische Validation durch eine ausführlichere Bewertung und Kommentierung ergänzt. Diese erfolgt durch einen für die jeweilige Analytik oder das jeweilige Indikationsgebiet spezialisierte(n) wissenschaftliche(n) (Ober-)Assistentin/en des IKC oder in bestimmten Fällen auch durch eine kooperierende Klinik (z.B. Klinik für Geburtshilfe bei Pränataldiagnostik). In der HAD erfolgt je nach Analyse eine Kommentierung durch den zuständigen Assistenz-, Kaderarzt oder BMA. In der AKI erfolgt die Kommentierung durch die Akademiker.

Sonderfälle

Notfalllabor: Einen Sonderfall für die medizinische Validation stellt die Analytik der Notfallabore dar. Im Interesse der zeitnahen Befundmitteilung erfolgt die provisorische Freigabe der Messergebnisse durch die diensthabende Biomedizinische Analytikerin. Sie verständigt in Zweifelsfällen den Dienst habenden Akademiker (IKC), bzw. den Dienstarzt Hämatologie (HAD), der das weitere Vorgehen ggf. in Rücksprache mit dem zuständigen Kliniker festlegt. Die endgültige Validation der ausserhalb der Routinezeiten durchgeführten Notfalldiagnostik am IKC und der HAD wird am folgenden Tag durch eine Leitende Biomedizinische Analytikerin, eine(n) Abteilungsleiter/in oder an Sonn- und Feiertagen durch den/die diensthabende Akademiker(In) kontrolliert. Sofern keine widersprechenden Gründe vorliegen, wird der provisorische Befund zum endgültigen Befund.

Interdisziplinäres Notfalllabor (IDNFL): Die Validation der im Rahmen des Interdisziplinären Notfalllabors (IDNFL) durch das IKC (Virusserologie und -nachweis, Autoantikörper) oder der HAD (Bakteriologie) durchgeführten Untersuchungen erfolgt wie für das Notfalllabor beschrieben. Die Befunde werden falls nötig am folgenden Werktag vom AKI (Hepatitis, HIV, Autoantikörper) bzw. dem Institut für Medizinische Virologie (CMV, EBV, Influenza) kontrolliert, ergänzt und mitgeteilt. Die von der HAD durchgeführten bakteriologischen Untersuchungen werden durch das Institut für Mikrobiologie am Folgetag kontrolliert und fortgeführt (Supervisionsauftrag).